Mit dem Beginn des Herbstes und im frühen Frühjahr hängen viele Gartenarbeiten stark von der Bodentemperatur ab. Viele biologische Nützlinge haben nämlich einen optimalen Temperaturbereich, in dem sie wirksam sind. Dies gilt beispielsweise für Nematoden und Raubmilben: Hier solltest du die Bodentemperatur genau im Auge behalten. Ist die Bodentemperatur zu hoch oder zu niedrig, können die Nützlinge ihre Arbeit gar nicht oder nur eingeschränkt verrichten. In diesem Artikel erfährst du, was die Bodentemperatur genau ist und welche Auswirkungen sie auf Pflanzen, Tiere und Nützlinge hat. Möchtest du die Bodentemperatur selbst messen? Dann lies weiter und entdecke praktische Tipps!
Warum eigentlich Bodentemperatur?
Tiere und Insekten, die im Boden leben, haben mit ganz anderen Bedingungen zu tun als wir. Je näher an der Oberfläche, desto mehr schwankt die Bodentemperatur. Die Erdschicht obenauf wirkt wie eine dicke Decke, die den Boden darunter abdeckt. Wenn es im Frühjahr warm war, ist dies noch nicht direkt bis tief in den Boden vorgedrungen. Es ist daher wichtig, die Bodentemperatur im Auge zu behalten. Bei einer zu niedrigen Temperatur verlieren Nematoden und Raubmilben nämlich erheblich an Boden und werden Schädlinge weniger gründlich bekämpfen.
Abgesehen von der Bekämpfung ist die Bodentemperatur ohnehin wichtig für das Gärtnern. Pflanzen werden oft in einem zu kalten Boden sich selbst überlassen. Das ist völlig unnötig. Der Wetterdienst überwacht die Bodentemperatur, und die Temperatur im eigenen Garten zu messen, lässt sich gut selbst erledigen.
Folgen für Pflanzen und Tiere
Pflanzen haben einen größeren Teil unter der Erde als oberirdisch. Sie haben nämlich ein Wurzelsystem, um Nahrung und Wasser zuzuführen. Gerade weil dieses Wurzelsystem oft größer ist als die Pflanze selbst, sagt die Bodentemperatur mehr aus als die Lufttemperatur. Ist der Boden warm, kann die Pflanze Nahrung und Wasser besser aufnehmen.
Auch die Fotosynthese hängt von der Bodentemperatur ab. Wie viele andere chemische Prozesse läuft die Fotosynthese bei hohen Temperaturen am schnellsten ab. Die Pflanze erhält dann auch schneller Nahrung und wächst kräftiger. Natürlich dreht sich alles um das richtige Gleichgewicht. Wird es zu warm, stehen die Pflanzenzellen unter Druck und die Entwicklung verlangsamt sich eher.
Für Tiere im Boden gilt, dass es stark von der Bodentemperatur abhängt, wo sie sich ansiedeln. Die meisten Mikroorganismen müssen genau wie wir atmen und Nahrung verarbeiten. Das geht in einer warmen Umgebung schneller. Tatsächlich verdoppelt jede Erhöhung um 10 °C das Tempo! Nematoden dringen im Allgemeinen etwa 30 cm tief in den Boden ein, bei höheren Temperaturen jedoch noch etwas tiefer. Wie temperaturempfindlich ein Nematode ist, liegt an der Jagdtechnik. Steinernema feltiae Nematoden warten, bis eine Beute vorbeikommt, Heterorhabditis bacteriophora Nematoden jagen das Schadinsekt aktiv. Die Heterorhabditis bacteriophora Nematoden sind aus diesem Grund gerade bei höheren Temperaturen effektiv.
Ideale Bodentemperatur für unsere Nematoden und Raubmilben
| Nematoden | Minimale Bodentemperatur | Maximale Bodentemperatur |
| Steinernema feltiae | 8 °C | 30 °C |
| Steinernema carpocapsae | 12 °C | 30 °C |
| Heterorhabditis bacteriophora | 12 °C | 30 °C |
| Raubmilben | Minimale Bodentemperatur | Maximale Bodentemperatur |
| Hypoaspis miles | 15 °C | 30 °C |
Die Bodentemperatur selbst messen
Allgemeine Bodenmessungen haben ohnehin so ihre Tücken. Die Bodentemperatur ist sehr lokal und hängt von verschiedenen Umständen ab. So hat der Bodentyp – Ton, Torf oder Sand – erheblichen Einfluss. Auch kann etwas Simples wie ein Baum im Weg stehen, wodurch der Boden an dieser Stelle weniger Sonnenlicht bekommt. Daher ist es praktisch, die Bodentemperatur in deinem Garten selbst zu messen. Das ist zum Glück einfach! Du kannst ein Bodenthermometer verwenden, das für die Landwirtschaft entwickelt wurde. Wenn du ein altes Fleischthermometer im Haus hast, kannst du damit auch prima arbeiten.
So misst du die Bodentemperatur:
- Grabe ein Loch bei der Pflanze oder den Pflanzen, an denen sich der Schädling befindet. Grabe so tief, wie die Wurzeln reichen, denn dort ist oft der Brennpunkt des Befalls.
- Stecke das Thermometer horizontal in den Boden, dann weißt du genau, in welcher Tiefe du misst.
- Warte 10 bis 15 Minuten.
- Lies die Bodentemperatur ab, bevor du das Thermometer aus der Erde ziehst.
Andere Einflüsse auf die Temperatur im Boden
Es gibt noch viel mehr Umstände, die bestimmen, wie warm der Boden genau ist. Ein Beispiel hierfür ist die Albedo. Dies ist die Fähigkeit eines Objekts oder einer Oberfläche, Licht zu reflektieren. Licht wird teilweise reflektiert und der Rest wird von der Oberfläche aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Die Albedo hängt von allen möglichen Bedingungen ab, wie dem Einfallswinkel des Lichts sowie dem Material und der Form der Oberfläche. Denk zum Beispiel an heißen Asphalt, der im Sommer direkt neben einer grünen Rasenfläche liegt. Beide Oberflächen haben gleich viel Sonne abbekommen, aber der Asphalt ist deutlich wärmer als das Gras.
Was außerdem einen Unterschied macht, ist, wie sehr der Boden unter Bewuchs oder Pflasterung verborgen liegt. Ist der Boden gut abgedeckt, speichert die Erde die Wärme in den Wintermonaten gut, während sie im Sommer länger kühl bleibt.

Eine Laubschicht kann die Bodentemperatur beeinflussen.
Für die biologische Bekämpfung mit Nematoden gibt vor allem die Feuchtigkeitsmenge den Ausschlag. Nematoden brauchen einen feuchten Boden, aber zu viel Feuchtigkeit sorgt wiederum dafür, dass der Boden kalt bleibt. Die Sonne erwärmt dann nämlich nicht den trockenen Boden, sondern Wassertropfen, die anschließend verdampfen. Dabei geht viel Energie verloren. Im frühen Frühling oder späten Herbst kann das Ausbringen von Nematoden daher ein Risiko sein. Wo der Boden zu nass und kalt ist, wird die Bekämpfung nur schleppend verlaufen.